Ein internationales Team von Wissenschaftlern und Praktikerinnen hat vor Kurzem den Begriff „Regenerative Agrikultur“ neu definiert. Ihr folgender Beitrag wurde von uns aus dem Englischen übersetzt. 

Was ist regenerative Agrikultur?

16. Februar 2017

Regenerative Agrikultur” beschreibt Praktiken des Landbaus und der Weidewirtschaft, die unter anderem den Klimawandel dadurch rückgängig machen können, dass sie organisches Material im Boden aufbauen und die zerstörte Biodiversität des Bodens wieder herstellen. Beides führt dazu, dass der CO2Gehalt der Atmosphäre gesenkt und der Wasserkreislauf verbessert wird.

Regenerative Agrikultur ist vor allem eine ganzheitliche Methode, um Land zu bearbeiten, die die Kraft der Photosynthese der Pflanzen anhebt, um den Kohlenstoffkreislauf zu schließen, Bodenfruchtbarkeit und die Widerstandsfähigkeit der Feldfrüchte aufzubauen sowie Nährstoffe anzureichern.

Regenerative Agrikultur verbessert die Bodengesundheit durch Methoden, die organisches Material im Boden anreichern. Das hilft nicht nur dabei, die Diversität und Gesundheit der Bodenorganismen zu verbessern, es erhöht auch die Biodiversität über und unter der Oberfläche des Bodens. Zusätzlich werden die Wasserspeicherkapazität und die Sequestrierung von Kohlenstoff in tieferen Bodenschichten erhöht, sodass die klimaschädlichen CO2Konzentrationen in der Atmosphäre gesenkt und die Bodenstruktur verbessert werden kann. Der Verlust von fruchtbaren Böden, der von Menschen verursacht wird und unsere Zivilisation bedroht, kann damit umgekehrt werden. Studien belegen immer wieder die schädliche Wirkung des Pflügens, der Anwendung von Agrochemikalien und Mineraldüngern sowie von Kohlenstoffabbau auf die Böden. Regenerative Agrikultur kehrt dieses Paradigma um und baut für die Zukunft vor.

Praktiken der Regenerativen Agrikultur sind die Folgenden:

Methoden, die (i) den Boden aufbauen, Bodenfruchtbarkeit sowie Bodengesundheit verbessern; (ii) das Versickern von Regenwasser fördern, Wasserretention sowie den sauberen und sicheren Abfluss von Regenwasser bewirken; (iii) die Biodiversität erhöhen und die Gesundheit von Ökosystemen verbessern; (iv) unsere aktuelle Landwirtschaft der CO2-Emissionen umwandeln in eine Landwirtschaft, die signifikant hohe Mengen von Kohlenstoff bindet und damit die Atmosphäre von früher ausgestoßenen Mengen CO2 reinigt.

Diese Methoden gehören dazu:

  1. Pfluglose/Minimale Bodenbearbeitung. Die Bearbeitung mit dem Pflug „pulverisiert“ die Bodenaggregate und bricht die Boden-Pilz-Gemeinschaften auf. Gleichzeitig wird dem Boden überflüssiger Sauerstoff zugeführt, was zu erhöhter Atmung im Boden und zu mehr CO2-Emissionen führt. Diese Art der Bodenbearbeitung ist womöglich eine der zerstörerischsten Praktiken in der Landwirtschaft und fördert Erosion und Kohlenstoffverlust. Ein zweiter Effekt der Bodenbearbeitung kann der Verschluss von Bodenöffnungen sein, durch die das Wasser versickert. So steigt der oberflächliche Abfluss von Wasser und der Verlust von Boden. Hingegen fördert die pfluglose/minimale Bodenbearbeitung im Verbund mit anderen regenerativen Methoden die Bildung von Bodenaggregaten und somit die Infiltrations- und Speichermöglichkeiten von Regenwasser sowie die Bindung von Kohlenstoff. Für einige Böden kann es von Vorteil sein, dass einmal tief aufgebrochen wird, um kompakte Bodenplatten zu zerbrechen, womit die Wurzelzone vertieft werden kann und der Ertrag erhöht wird. So kann in diesen Fällen möglicherweise die Bodengesundheit und die Kohlenstoffbindefähigkeit erhöht werden. Andere bodenschonende Bearbeitungstechniken haben womöglich ähnliche positive Auswirkungen.

2. Die Bodenfruchtbarkeit wird in regenerativen Systemen biologisch verbessert durch den Zwischen- und Wechselfruchtbau, Kompostanwendung und Tiermistanwendung. Diese stellen das Pflanzen-Boden-Mikrobiom wieder her und verbessern Freisetzung, Transport und den Kreislauf von essentiellen Bodennährstoffen. Kunstdünger und synthetische Düngemittel haben ein Ungleichgewicht in der Struktur und der Funktion der mikrobiellen Bodengemeinschaften hergestellt, indem sie die natürliche Aufnahme von Nährstoffen durch die Pflanzen umgangen haben, Somit haben sie ein düngerabhängiges Agrarökosystem und schwächere, weniger widerstandsfähige Pflanzen geschaffen. Studien belegen, dass die Anwendung von künstlichem, chemisch hergestelltem Dünger den Klimawandel fördert durch (i) die Energiekosten bei der Produktion und dem Transport von Düngemitteln; (ii) die chemischen Abbauprozesse im Boden und die Wanderung der Rückstände ins Grundwasser und in die Atmosphäre; (iii) die Verzerrung der mikrobiellen Lebensgemeinschaften im Boden, wobei der Gehalt an Methan oxidierenden Bakterien reduziert wird und (iv) organische Stoffe im Boden schneller abgebaut werden.

3. Der Aufbau von biologischer Diversität in Ökosystemen beginnt mit der Impfung des Bodens mit Kompost oder Komposttees, um die Gemeinschaft der Bodenlebewesen sowie deren Struktur und Funktion wiederherzustellen. Diese bauen wiederum die Energie des Bodensystems (Kohlenstoffverbindungen als Wurzelexsudate) wieder auf. Dazu werden durchgängig verschiedene Früchte und Zwischenfrüchte angebaut sowie auch gemischte Gründüngung, Feldbegrenzungen als Bienenweide und für andere Nutzinsekten. Hierzu gehören hocheffiziente sogenannte Push-Pull-Systeme. Monokulturen, die von synthetischen Düngemitteln abhängig sind, müssen abgelöst werden, ebenso wie Praktiken, die die Biodiversität und den Humusgehalt des Bodens abbauen.

4. Gut organisierte Weidepraktiken fördern besseres Pflanzenwachstum,

erhöhen die Kohlenstoffspeicher im Boden, fördern die Produktivität von Wiesen und Weideland, während sie gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit stark verbessern, die Diversität der Pflanzen und Insekten erhöhen und die Bindung von Kohlenstoff im Boden erhöhen. Diese Methoden verbessern nicht nur die Gesundheit der Ökosysteme, sondern auch die Gesundheit der Tiere und der menschlichen Konsumenten, indem sie die Mikronährstoffe verfügbar machen und so den Fettsäurestoffwechsel (das Omega-Gleichgewicht) verbessern.

Tierfuttermittel und Massentierhaltung tragen in hohem Maße bei zu (i) ungesunden Monokultur-Produktionssystemen, (ii) Grünfutter mit niedrigem Nährstoffgehalt (iii) Wasserverschmutzung, (iv) Einsatz von Antibiotika und -Resistenzen,

(v) CO2– und Methanemissionen. Sie alle führen dazu, dass Nahrungsmittelerzeugung die Ökosysteme zerstört.

Co-Autoren:

Regenerative Agriculture Initiative, California State University, Chico

http://www.csuchico.edu/sustainablefuture/aginitiative/

The Carbon Underground https://thecarbonunderground.org/

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