Kurz vor Eröffnung der Grünen Woche in Berlin freuen sich die Ökoerzeuger: „Bio boomt!“ Im letzten Jahr verzeichneten sie ein Wachstum von über elf Prozent. „Bio ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, so Biomolkereichef Paul Söbbecke. Doch die in Deutschland erzeugte Menge ist immer noch zu wenig, um die ebenfalls enorm gestiegene Ökonachfrage im zu befriedigen.  BÖLW-Präsident Felix Prinz zu Löwenstein forderte deshalb politische und steuerliche Maßnahmen, Preise müssten „die ökologische Wahrheit sprechen“. Anders als die konventionelle Landwirtschaft sorgten Biolandwirte für Klimaschutz durch Humusaufbau oder Tierwohl.

Jan Plagge, Bioland-Präsident und Vorsitzender der europäischen Biobauernbewegung IFOAM, forderte einen Totalumbau der EU-Agrarsubventionen nach dem Grundsatz „Öffentliche Gelder für öffentliche Güter“ ab 2020. Gefördert werden sollten nur noch Betriebe, die Gemeinwohlaspekten wie Artenvielfalt, Klimaschutz, Boden- und Wasserschutz sowie dem Tierwohl dienten.

Interessanterweise war er sich da mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ziemlich einig. Diese kritisierte auf einem Kongress einen Tag zuvor, ein großer Teil der Agrarsubventionen lande „bei großen Agrarfabriken oder indirekt bei Flächeneigentümern, die gar keine Landwirte sind. Wir müssen dieses absurde Fördersystem gemeinsam mit den anderen Mitgliedsstaaten dringend ändern. Ich bin der Auffassung: Öffentliches Geld sollte es in Zukunft nur noch für öffentliche Leistungen geben.“ Sie forderte gar einen neuen Gesellschaftsvertrag. Ihr Kabinettskollege, Bundesagrarminister Christian Schmidt, hörte es mit Grummeln.

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